Originaltitel: Crackerjack 3__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2000__ Regie: Lloyd A. Simandl__Darsteller: Bo Svenson, Olivier Gruner, Leo Rossi, Amy Weber, Milan Gargula, Robert Russell, Jan Nemejovsky, Gregory Linington, Noel le Bon u.a. |

Eine Rentnergang versucht den fiesen Olivier Gruner auszuschalten.
„R.E.D.“ war gestern, „Cracker Jack 3“ war schon viel eher. Erstaunlich, wie ähnlich sich doch Filmideen sein können, geht es doch hier wie dort um im Ruhestand befindliche Altherrenagenten, die den Bösewichten der Welt zeigen, wo der Hammer hängt.
Jack Thorn wird in den Ruhestand versetzt. Seiner Meinung nach viel zu früh. Seine vor allem deutlich jüngeren Kollegen sehen das allerdings ganz anders, mutet Jack doch wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten an. Am letzten Tag seines Dienstes erfährt er vom Diebstahl einer neuartigen Neutronenbombe, darf sich aber nicht mehr darum kümmern. Seltsamerweise wurde am Überfallort ein alter Kumpel Jacks tot aufgefunden. Und kurz darauf beißt ein anderer seiner Freunde – ein französischer Geheimagent – ins Gras.
Obendrein versucht Jacks Nachfolger alles, um ihm sowohl den Diebstahl der Neutronenbombe als auch den Tod seiner Freunde in die Schuhe zu schieben. Zeit für Jack, seine alten Kumpels aus allen Geheimdiensten der Welt zu reaktivieren und den Bösen in die Suppe zu spucken …
„Cracker Jack 3“ ist also eine Art Rentner „Delta Force“. Oder „The Expendables“ mit wirklich alten Opis. Oder eben „R.E.D.“, nur ohne Stars. Das Problem von „Cracker Jack 3“ im Vergleich zu den anderen Rentnershows ist, dass sich der Film extrem an das behäbige Tempo seiner Hauptfiguren anpasst, irgendwann komplett jedweden Drive verliert und sich in teils endlos wirkenden Dialogkaskaden verirrt, die durchaus witzig anmuten, aber auch oft genug so gar nicht zünden wollen. Wodurch freilich des Zuschauers Geduld extrem getestet wird. Es wirkt, als habe die Rentnergang keine recht Lust, mal richtig aus der Hüfte zu kommen. So sollte man sich besser keine Action erwarten. Sonst könnte man leicht enttäuscht werden …
Die Handlung selber ist nicht der Rede wert. Mal wieder wird eine Bombe gestohlen, mal wieder muss sie wiederbeschafft werden. Auch gut ist gut und böse ist böse. Dass beispielsweise Olivier Gruner („Angel Town“) in diesem Spiel der Oberböse ist, weiß man bei seinem ersten Auftritt als gelackter Nachfolger Jacks. Leider wird Gruner hier komplett verschenkt und darf bis auf eine langweilige Keilerei mit Bo Svenson gegen Ende des Filmes nichts von seinem Können zeigen. Dafür passt er sich an die spielfreudige Altherrenriege an und gibt einen süffisanten, ultraschleimigen Bösewicht, dem ein paar diabolische Momente gut zu Gesicht gestanden hätten.
Was man dem Film ansieht, ist, dass er nicht viel Geld kosten durfte. Die Settings sind sichtlich preiswerte Bühnenaufbauten (immer gut zu erkennen an scheinbar unendlich hohen Räumen), die Außenschauplätze rekrutieren sich aus Wäldern und Wiesen und ein deutscher Schauplatz wird durch ein deutsches Schild markiert, sieht aber recht osteuropäisch aus. Auch statistenmäßig durfte kein Geld verplempert werden. So treffen unsere Actionopas maximal auf fünf Gegner gleichzeitig und wenn gegen Ende ein ganzes Schloss mit lauter Diplomaten evakuiert wird, stehen auf einmal neben den Helden nur noch vier andere Leute rum… und die wurden zuvor als Bodyguards der Diplomaten eingeführt. Vom LOLigen Miniatureffekt beim Showdown ganz zu schweigen. Wobei zumindest der an den ähnlich traurigen Showdown-Big-Bang seines wesentlich gelungenen Vorgängers „Cracker Jack“ erinnert. Ansonsten findet man hier keinerlei Berührungspunkte mit dem Thomas-Ian-Griffith-Vehikel.
Witzig ist „Cracker Jack 3“ immer dann, wenn die rüstige Gang über ihr Alter abfeiert, mit der modernen Technik konfrontiert wird oder ihre ganz eigenen Macken zum Besten gibt. So ist etwa der deutsche Geheimagent ein begeisterter Gartenzwergbastler, wobei seine Zwerge ein explosives Eigenleben führen. Auch werden seine Auftritte immer wieder von witzigen Schuhplattlerstücken untermalt. Warum seine Kinderarbeiter – ein Deutscher ist halt auf Effizienz bedacht – einen osteuropäischen Akzent ihr Eigen nennen, darf man freilich nur die Casting-Agentur fragen. Doch diese scheint halt da gesucht zu haben, wo man drehte.
Was bleibt ist ein … ja … „Actioner“, der seine Pluspunkte vor allem in der Zeichnung seiner Helden verbucht. Denn eine Rentnergang ist und bleibt einfach vollkommen unorthodox im Genre. Dabei geriet der Film definitiv ein Stück weit zu geschwätzig und verlässt sich teils zu stark auf den Charme seiner Darsteller, ohne letztendlich verhindern zu können, dass „Cracker Jack 3“ irgendwann den Zuschauer langweilt. Zumindest sind die Darsteller um Bo Svenson (zuletzt im Lundgren Kracher „Icarus“) mit Spaß bei der Sache und auch Olivier Gruner lässt sich von der Spielfreude seiner Mitstreiter anstecken. Leider versagt der Film im Actionbereich vollkommen. Zwar wird hier und da mal rumgeballert, wirklich spektakulär oder aufwändig wird es aber nie.
In UK ist von Prism Leisure eine DVD des Streifens erschienen. In Deutschland erscheint am 5. Februar 2016 nun auch eine DVD von Shamrock Media. Diese hat eine lächerlich hoch gegriffene FSK 18 Freigabe.
In diesem Sinne:
freeman
Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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