Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Steel Force

Originaltitel: Legion of Iron__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Yakov Bentsvi__Regieassistenz 2nd Unit: Isaac Florentine__Darsteller: Camille Carrigan, Reggie De Morton, Stefanos Miltsakakis, Erika Nann, Dimitrius Pulido, Kevin T. Walsh u.a.
Steel Force

Wer könnte diesem „Steel Force“-Cover widerstehen?

Es gibt da so Tage…, da werden der Held und seine Perle ausgerechnet genau zu dem Zeitpunkt entführt, wo er ihr einen schönen Antrag macht. Verbracht in eine unterirdische Kampfarena ist der Held nun dabei, wie seine Zukünftige als Wanderpokal für sich duellierende Testosteron-Psychopathen missbraucht wird. Und zur Krönung des abgefuckten Tages muss der Held dabei zuschauen, wie seine zukünftige Ehefrau, die sich ihre Jungfräulichkeit für den Vollzug der Ehe aufbewahren wollte, vergewaltigt wird.

Billy Hamilton hat so einen Tag. Und das Beste: Es kommt alles noch schlimmer! Denn Billy wird freilich auserkoren, ebenfalls in der unterirdischen Kampfarena zu kämpfen. 20 Mal müsse er „nur“ gewinnen, dann würde eine Million Preisgeld winken und er und seine Perle wären wieder frei. Wenn er sie dann überhaupt noch will, immerhin macht die nun wahre Gangbang-Marathons mit. Doch natürlich ändert das nichts an der Liebe Billys zu seiner Madame. Verbissen stürzt er sich ins Training.

Doch der fiese Kopf hinter all diesen menschenverachtenden Vorgängen, eine frappierend an eine zu streng gekämmte Demi Moore erinnernde Lady mit dem Namen Diana, hat nicht mit der Störrigkeit Billys gerechnet. Der versucht nämlich alles, die anderen Fighter gegen sie aufzubringen und seinen ganz persönlichen Spartacus-Aufstand anzuzetteln…

Aerobic-Outfits, Conan-Schwerte und Analpiraten: Der Wahnsinn hat Methode in „Steel Force“

„Steel Force“ ist eine echte Delikatesse innerhalb der nach Unvermögen und Trash müffelnden Auslegeware des einst so glorreichen Videotheken-Zeitalters, in dem ultraschlechte B-Rotze mit geilen Covern die unbedarften und meist uninformierten Kunden in die Leih-Falle zu locken versuchte. Wieso? Weil bei dem Film sowohl das Cover als auch der Inhalt richtig geil rocken!

Das Cover: Ein Muskelberg, der geil in der Sonne glänzt und sein Schwert so hält, als sei es die Verlängerung seines Schwanzes. Dazu auch noch ein Ohrring und eine steile Jimmy-Glitschy-Frisur. Dieser Held ist der pure Wahnsinn. Leider sieht er im Film anders aus. Egal. Hinter ihm schwebt ein waffenstarrender Hubschrauber. Den hat es zwar nicht im Film und irgendwie spielt der Film auch nicht in der Zukunft, wie es auf dem Cover behauptet wird, aber hey, wer wird schon kleinlich sein? Diesem Cover hätte in der Theke keiner von euch widerstehen können. Gebt es ruhig zu.

Und der Film? Nur geil! Bereits nach fünf Minuten Laufzeit sind wir voll in der Handlung. Alles an Exposition ist erledigt. Und mehr als in den ersten fünf Minuten erklärt wird, wird auch im weiteren Verlauf nicht erklärt. Da ist also eine Ische, die in einem Kackberg einer Kackwüste eine gewaltige unterirdische Anlage mit Kampfarena, Luxussuiten, Gefängniszellen, Klos und Wohneinheiten für gut drei Dutzend Handlanger anlegt, ohne dass es einer merkt? Klar! Und in der unterirdischen Anlage wird dann direkt eine Art Parallelwelt entwickelt, in der sich ein wenig Endzeitfeeling und ganz viel 90er Jahre Aerobic-Schick vereinen? Natürlich! Und die ganzen entführten Frauen und Männer sucht auch keiner? Nope! Ähm… okay?

Die um diese „Story“ drapierten Dialoge, die von der deutschen Synchronisation wundervoll emotionslos abgespult werden, rangieren zwischen bekloppt und absurd und tragen noch einmal eine Menge zum Vergnügen bei. Und der Rest ist halt 90s-Look pur. Highlight dahingehend sind die Szenen im Gym der Anlage, in der speckig glänzende Muskelberge verbissen trainieren. In hautengen Leggins und bauchfreien Muscle-Shirts. Das atmet eine ganz besondere Erotik. Die sich durch den ganzen Film zieht: Gleich zu Beginn muss sich unser Held vor ein paar Analpiraten flüchten. Die Wachen von Diana posen ebenfalls wenig männlich. Und der Fightdress unseres Helden ist der tuckigste Kampfanzug, den man sich vorstellen kann.

Allgemein sendet der Film immer mal eigenwillige Signale, was die Sexualität seiner Charaktere angeht. Schwarze Figuren tragen immer rote Unterwäsche, weil das ja so ein sexy Kontrast ist. Diana lutscht gerne mal an männlichen Brustwarzen und beißt rein. Männer werden hier genauso vergewaltigt wie Frauen. Dazu kommen – wie angedeutet – ganz viele homoerotische Untertöne. Man wähnt sich fast im Genderwahn beim Betrachten dieser Actionperle.

Apropos Actionperle: Lässt man den Abspann von „Steel Force“ über sich ergehen, bleibt das Auge auf einmal erschrocken im Fließtext hängen. Isaac Florentine („Close Range“) unterstützte den Regisseur der 2nd Unit als Regieassistent! Und wir wissen ja alle, wofür die 2nd Unit normalerweise zuständig ist. Genau: Action. Und die macht in „Steel Force“ durchaus Laune. Prinzipiell ist der Film ja eine Art Turnierklopper, nur ohne echten Turniermodus. Die fiese Diana legt die Fights so fest, wie sie die beste Quote machen. Dementsprechend hauen sich hier in regelmäßigen Abständen ein paar Typen gegenseitig den Schädel ein.

Dabei kommen immer Schwerter zum Einsatz. Dennoch bleibt der Brutalitätsgrad extrem verhalten. Was auch daran liegt, dass keine der Figuren so wirkt, als wisse sie, was sie mit dem jeweiligen Meuchelwerkzeug anzufangen habe. Abgehackte Köpfe und Extremitäten gibt es genauso wenig wie blutige Schnittwunden. Stattdessen wird viel aufeinander eingetreten. Das wirkt roh, grobschlächtig und tumb, folgt keiner wirklichen Choreografie und mutet die meiste Zeit wenig dynamisch an. Lässt die Zeit aber flott verfliegen. Die Trainings von Bill und zugehörige Montagen bringen ebenfalls Tempo in den Film und zwischendurch gibt es auch immer mal kleinere Ballereien.

Richtig aufgedreht wird aber erst im langen Showdown. Hier rotiert der Bodycount munter vor sich hin. Die Bloodpacks platzen in den Ballereien reihenweise, Kopfschüsse sprudeln munter vor sich hin und „Steel Force“ beginnt noch mehr Laune zu machen als ohnehin schon. Die Action wirkt noch immer nicht sonderlich rund, aber deutlich dynamischer und flotter. Der Burner ist aber der Übergang vom Geballer zur Mad-Max-Autoverfolgungsjagd-Action. Hier sollen mehrere gigantischen Explosionen Dianas Anlage zerlegen. Aber mehr als einmal beschleicht einen in dem Moment der Gedanke, dass dem Kameramann niemand gesagt zu haben scheint, dass es gleich spektakulär wird! Genial. Der filmt alles, nur nicht die Explosionen! Erst die dritte oder vierte Explosion bannt er dann wirklich auf Film.

Danach wird dann durch die Wüste geheizt, blutig geballert und sogar ein bewaffneter Paraglider kommt zum Einsatz. Alles schlecht montiert und ebenso gefilmt, aber immer unvermutet und genau deshalb so geil. Fette Explosionen runden dann auch das Finish ab und so plötzlich wie man in den Film reingeworfen wurde, fliegt man nach der Umarmung der Helden auch wieder raus. Das nenne ich effektiv.

Das durfte alles nicht viel kosten, was man an den begrenzten Schauplätzen sieht (das größte Set ist offensichtlich ein umgerüstetes Hallenbad, das die Arena beherbergt), ist hirnverbrannt bis zum Gehtnichtmehr, schlecht gespielt, teilweise richtig mies gefilmt und für einen Nichtactionfan wohl kaum zu goutieren, macht aber gerade dem Homo-Sapiens-Actionfreundus richtig Laune! Der Film hat Tempo, nimmt sich selbst nicht zu ernst, macht aus den begrenzten Ressourcen eine ganze Menge und rockt vor allem im Finale amtlich durch. Dazu gesellen sich Schwert-Repliken aus dem „Conan“-Fundus, wackelnde Kulissen und ein Score, dessen ultraheroische Fanfaren aus einem Kinderkeyboard die Ohren bluten lassen. So geht Kult!

6 von 10

Am 27. April 2017 brachte KNM Home Entertainment den Streifen auf DVD raus. Erstmals ungekürzt, ab 18 freigegeben und – vollkommen logisch – technisch kein Stück über einer VHS-Aufzeichnung angesiedelt. Hach ja…, es gab da mal so Tage…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: KNM Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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