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Wünsch mir Glück

Originaltitel: Wünsch mir Glück__ Herstellungsland: Deutschland__ Erscheinungsjahr: 2024__ Regie: Can Aydin__ Darsteller: Bob Odenkirk, Daniel Bernhardt, Can Aydin, Alexander Ziegenbein, Phong Giang, Aristo Luis, Cha-Lee Yoon, Michael Popescu, Timo Schwarz, …

Wünsch mir Glück

Den Kurzfilm kann man sich hier anschauen!

Seit Mitte der Achtziger im Film- und TV-Show-Business tätig – und das fast ausschließlich in Comedys und Dramen – hatte sich der 1962 geborene Bob Odenkirk in der zweiten Hälfte der 2010er zunehmend reger und konkreter mit dem Gedanken beschäftigt, endlich mal seinen lang gehegten Wunsch zu verwirklichen, in einem richtigen Action-Streifen mitzuspielen – und zwar als zentraler Protagonist; nicht bloß in einem Nebenpart, wie zuvor etwa schon in „Rogues Gallery“. Über sein Management ließ er dieses Bestreben in Branchen-Kreisen kommunizieren – was durchaus auf Neugier und Interesse stieß sowie schlussendlich darin resultierte, dass man sich auf ein Projekt einigte, welches genau seinen Vorstellungen entsprach: „Nobody“ (2021).

Rund zwei Jahre vor Drehstart fing Odenkirk mit den „körperlichen Vorbereitungen“ auf die Rolle an: Angepasste Ernährung sowie reichlich Sport und Kampf-Training – letzteres u.a. mit dem Schweizer Daniel Bernhardt; seines Zeichens ein gestandener Genre-Veteran, der bei „Nobody“ auch als Fight-Koordinator fungieren würde. Mit Freude und vollem Einsatz dabei, entpuppte sich Odenkirk als ein schneller Lerner sowie der Herausforderung gewachsen. Irgendwann schlug ihm Bernhardt vor, das Angeeignete quasi in Form eines Screen-Tests unter realen Bedingungen auszuprobieren bzw. umzusetzen, um so ein Gefühl für Szenen dieser Art außerhalb des Gyms (samt aller damit verbundenen Rahmen-Faktoren) zu erhalten…

Odenkirk war von der Idee sehr angetan – worauf man sich (anstelle einer weitestgehend „nüchternen“, primär Fertigkeiten-bezogenen Sequenz) für das Format eines mit einer kleinen Story aufwartenden Shorts entschied, zu dem er sogar selbst die Skript-Vorlage beisteuerte. Derweil nahm Bernhardt Kontakt zu seinem Kameraden Can Aydin (einer der Verantwortlichen bei „Reel Deal Action“ in Deutschland) auf – der wiederum Ufuk Genc als Produzent mit an Bord holte, welchen er u.a. von „Plan B: Scheiß auf Plan A“ her kannte. Und so geschah es, dass es im März 2019 in Berlin vor die Kameras ging sowie im Zuge dessen der (ohne Abspann) knapp neun-minütige Kurzfilm „Wünsch mir Glück“ (aka „Wish me Luck“) entstand…

Nach einer sympathischen, nett „simplifiziert“ einige Symbol-Bauten der Bundes-Hauptstadt zeigenden animierten Opening-Credits-Montage wird in Gestalt eines Buchhalters (Odenkirk) eröffnet, der nach Sonnenuntergang in einer (neben anderen Dingen) mit Werkzeugen und einer legeren Aufenthalts-Ecke ausgestatteten Lagerhalle für eine „kriminelle Organisation“ an seinem Laptop arbeitet. Plötzlich erhält einer der Typen (Aydin), die gemeinsam mit ihm vor Ort sind, einen Anruf von seinem Boss – was darin resultiert, dass jener geradewegs an ihn herantritt und ihn dazu auffordert, jetzt sofort für heute in den Feierabend abzurücken. Widerwillig – da noch nicht fertig – fügt sich der extern angeheuerte „Zahlenmann“ der Anweisung…

Vom Setup her effektiv, weiß man zackig, was Sache ist. An einem Element habe ich mich jedoch ein wenig „gerieben“: Da der Amerikaner kein Deutsch beherrscht, verwendet er (nachvollziehbarerweise) ein Translation-Gerät – wohingegen sein Gesprächspartner scheinbar aber gleichermaßen auf diese Übersetzungs-Funktion angewiesen ist. Wer kann und versteht heutzutage denn kein Englisch auf dem Level?! Zugegeben: Das ist Nitpicking meinerseits – und mir ist bewusst, dass die Macher das als „amüsante Dreingabe“ gedacht haben – doch trotzdem. Nunja, es ist dann jedenfalls beim Verlassen des Gebäudes, dass der Buchhalter erspäht, wie ein gefesselter und geknebelter Herr (Alexander Ziegenbein) hereingeführt wird…

Draußen muss er sozusagen eine „Gewissens-Entscheidung“ fällen – während man drinnen noch am überlegen ist, wie man den gewähnten Verräter am besten zum Reden bringt (eine Bohrmaschine wird da recht schnell auserkoren). Bevor der seine Unschuld bzw. Unwissenheit beteuernde Unglückselige übleres Leid erfahren muss, greift der unscheinbare Hemd- und Krawatten-Träger kurzerhand ein – unerwartete Fighting-Skills zur Schau stellend. Fünf kampfbereite Dudes (wie sie im Abspann genannt werden) stehen ihm gegenüber – plus ihr Chef (Bernhardt), der seinen Henchmen vom Können her (natürlich) überlegen ist; sich aber erst einmal (entspannt mit ’ner Zeitung auf’m Sofa) zurückhält und ihnen den Vortritt lässt

„Wünsch mir Glück“ gibt inhaltlich nicht viel her – was allerdings völlig okay so ist; gerade in Anbetracht der eigentlichen Intention hinter dem Projekt. Zweckdienlich ist das in dem Bereich Gebotene allemal – auch was die Performances betrifft – sowie zum Teil gar noch einen Ticken besser. Eine angenehme „Leichtigkeit“ durchzieht den kompletten Short – von seinem Intro über die gewählte Musik-Untermalung (von Michael Popescu) bis hin zur Art des Humors. Mag sein, dass ein John-Wick-Spruch überflüssig sowie eine „Offenbarung“ am Ende (bezüglich des Informanten) fern von unvorhersehbar ist – und Can Aydin („Violent Night“) vermutlich nie einen „Oscar“ gewinnen wird – doch kann man da getrost ein Auge zudrücken

Unweigerlich erinnert einen Odenkirk’s Figur an seine wohl prominenteste – nämlich Anwalt James Morgan Jimmy McGill (aka Saul Goodman) – und seine Darbietung hier ist gewohnt charismatisch und gut. Bernhardt’s („Escape Plan: The Extractors“) passt indes ebenfalls – obgleich er mimisch nicht weiter gefordert wurde. Er und seine Untergebenen sind Männer fürs Grobe, welche weder Probleme damit haben, Leute zu verprügeln, noch sie zu foltern: Siehe dazu nur mal die freudig-aufgeregte Reaktion desjenigen aus der Runde (Aristo Luis aus „60 Minuten“), der sich stracks das erwähnte Elektro-Werkzeug schnappt. Und einem unscheinbaren „Büromenschen“ in seinen Fünfzigern erachten sie sich eh klar überlegen…

Die Fight-Sequenzen überzeugen – wovon bei den im Vorliegenden versammelten Profis im Grunde ja auszugehen war. Mit Bernhardt als Action-Director sowie Phong Giang („Azrael“) und Cha-Lee Yoon („Skylines“) als Stunt-Koordinatoren (sowie On-Screen-Baddies) im Einsatz, wurden unterschiedliche Techniken und Stile (á la Handkanten-Schläge, Griffe und Kicks aus Sparten wie Judo und Karate) mit eingebunden sowie getreu der jeweils agierenden Personen und des angestrebten „Tons“ des Ganzen (tendenziell locker statt verbissen gritty) arrangiert. Kompetent choreographiert, entfalten sich die Konfrontationen flott, stets prima erkennbar sowie mit „Treffern“ bestückt, die genügend Impact vermitteln…

Tomas Erhart’s („der Trip“) Kinematographie und Timo Schwarz’s („Bad Choice“) Editing-Arbeit rufen keine Notwendigkeit zur Klage hervor, einzelne Details – darunter punktuelle Bildschirm-Teilungen oder der Griff zur Bohrmaschine (ohne Strom) im Rahmen eines Kampfes – wussten mir zu gefallen, die Laufzeit wurde bündig ausgefüllt und nicht nur die Blooper im Abspann, sondern überdies vor allem auch das zugehörige Behind-the-Scenes-Video zeugen davon, dass alle am Set eine Menge Spaß hatten sowie beherzt bei der Sache waren: Etwas, das man dem (von einer scheinbar ebenso motivierten und talentierten Post-Production-Crew ansprechend fertig gestalteten) Gesamtergebnis positiv-ergiebig anmerkt…

Kurzum:

„Wünsch mir Glück“ ist ein unterhaltsamer, charmant-humoriger Action-Short, der für Fans von Odenkirk und/oder des Genres durchaus einen Blick wert ist…

starke7 von 10

Stefan Seidl

Wünsch mir Glück

(© Lightburst Pictures, Reel Deal Productions, Collider)

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Copyright des „Wünsch mir Glück“ Postermotivs und der Screenshots: Lightburst Pictures / Reel Deal Productions / Collider__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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