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Auf dem Konzert von Steven Seagal’s Blues Band

Steven Seagal Blues

Seagal bearbeitet konzentriert sein Instrument.

Mein letztes Konzert war auch eines von einem berühmten Schauspieler. Kevin Costner und Modern West hatten damals geladen und der freeman war dem Ruf gefolgt. Und Costner hatte seinen Auftritt wahrlich gekonnt inszeniert. Zunächst lieferte eine tolle Vorgruppe in Gestalt einer aparten jungen Dame einige starke Singer-Songwriter-Momente. Dann wurden auf einer Leinwand die besten Szenen aus den besten Filmen von Kevin Costner eingeblendet und mit der passenden Soundtrack-Musik gänsehautfördernd untermalt. Kaum war diese Werkschau beendet, erschien Costner inmitten des Publikums, ließ sich feiern, bahnte sich einen Weg zur Bühne und legte eine fette Rockshow hin! Doch so sehr Costner sich auch mühte, alleine der Veranstaltungsort (das Leipziger Gewandhaus, in dem sonst vornehmlich klassische Konzerte gespielt werden) sorgte schon dafür, dass alles ein wenig clean und sauber wirkte. Und Costner brauchte eine Weile, bis er die Leute wortwörtlich von den Sitzen riss. Eine beständige Gefahr bei Veranstaltungsorten wie dem Gewandhaus: Sind da Stühle, werden sie auch genutzt…

Steven Seagals Auftritt war im Vergleich dazu wie die RAW-Version des Costner-Auftrittes. Mitten auf die Fresse, roh, dreckig, ungeschliffen und sehr verspielt…

Steven Seagals musikalische Ambitionen

Steven Seagal Blues

Steven Seagal erscheint und greift sich sofort seine Gitarre…

Von Costners Gesangsambitionen wurde ich seinerzeit ziemlich kalt erwischt, wusste ich davon doch rein gar nichts. Bei Seagal war das ein wenig anders. Hier erinnere ich mich sogar noch genau an meinen ersten bewussten Kontakt mit einem Song von ihm, denn als Seagals „Alarmstufe Rot 2“ in die deutschen Kinos kam, frotzelte die deutsche Journalie, dass der gute Steven nun sogar im Abspann seine Zuschauer quälen würde. Ich wusste bei der Sichtung des ganz netten Streifens irgendwie so gar nicht, wovon die Herren Kritiker redeten, denn so verkehrt klang das gar nicht. Dennoch hatte ich seine musikalischen Bemühungen danach weitestgehend wieder aus den Augen und Ohren verloren und schmunzelte mir nur einen ab, als er in „Fire Down Below“ sogar im Film zur Klampfe griff. Doch Seagal trat noch bei manch anderem Streifen sowohl als Komponist als auch als Sänger von Soundtrack-Songs in Erscheinung. „Glimmer Man“ oder „Into the Sun“ seien stellvertretend noch genannt.

Steven Seagal hat den Blues in Berlin

Steven Seagal Bues

Steven Seagal lebt den Blues

Dementsprechend verwunderte es mich nicht so sehr, als ich erfuhr, dass Steven Seagal eine kleine Clubtour plante und sogar einen Konzertgig in Deutschland hinlegen wollte. Am Samstag, den 28. Juni 2014, war es dann soweit: Seagal weilte in Berlin und hatte beschlossen, den „Imperial Club“ mit Songs von seinen Alben „Mojo Priest“ und „Songs from the Crystal Cave“ zu rocken. Dabei handelte es sich um einen turnhallengroßen Club im Keller des Admiralspalastes. Wider Erwarten war der Ansturm erstaunlich und die Räumlichkeit um 21 Uhr gut gefüllt. Bis zum Auftauchen der Band bestaunten alle die Bühne, auf der Seagal in den nächsten Momenten wirbeln sollte. Sie wirkte wie ein Spielplatz für Lego-Technik liebende Männer. Überall Hebel, Stecker, Konsolen, zig Instrumente und Kabel satt. Das Chaos als Geburtsort von großer Unterhaltung…

Kurz nach 21 Uhr betrat die Band Seagals die Bühne und wurde vom Keyboarder ausführlich vorgestellt. Seagal hatte da eine illustre Gruppe um sich geschart, Grammy-Preisträger, musikalische Wegbegleiter von John Lennon und den Sohn der Blues-Legende Muddy Waters, Big Bill Morganfield! Und die Band legte auch sogleich ohne den großen Meister los und rockte einen Song, der die musikalische Marschrichtung für die nächsten gut 60 Minuten vorgab: Blues, sehr rockiger Blues.

Steven Seagal Blues

Die Steven Seagal Blues Band.

Nach dem Song erschien Seagal auf der Bühne. Wuchtig und alle acht anderen Musiker überragend stürmte er in schwarzer Jeans und weitem, schwarzem Hemd auf sein Mikro zu, griff sich eine Gitarre und rockte seinen Song „Love Doctor“. Zwei weitere Songs folgten, ohne dass Seagal in irgendeiner Form Kontakt mit dem Publikum aufnahm. Wenn er rockte, rockte er in die Bühne hinein und er ließ keine großen Pausen zwischen den Songs aufkommen. Spätestens beim vierten Song schien er aber zu bemerken, dass das, was er da mit seiner Band ablieferte, richtig gut beim Publikum ankam. Das ging nämlich ab dem zweiten Song so richtig mit und applaudierte teils frenetisch zwischen den Nummern. Und plötzlich schien die Anspannung von Seagal abzufallen! Er begann mit seiner Band zu scherzen, interagierte mit dem Publikum, berichtete von der Entstehung seiner Songs oder deren Hintergründe und ob man es glaubt oder nicht, er lächelte! Ja, richtig gelesen! Seagals Gesichtszüge entgleisten zu mehreren sehr offenen Lächlern. Und als manche Fans lauthals in „Steven“ Chöre verfielen, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen. Seagal hatte jetzt richtig Spaß an seinem Gig und das merkte man überdeutlich.

Steven Seagal Blues

Seagal spricht zu seinen Fans.

Das Songwriting erwies sich als eher schlicht. Meist erzählte Seagal in seinen Songs kleine Storys, die von Liebe und Co. handelten, seine Ansichten zu Themen wie Toleranz und Religionsfreiheit widerspiegelten („My God“) oder einfach mal auf eine witzige Pointe hinausliefen („Talk to my Ass“). Doch man merkte schnell, dass es Seagal zumindest bei seinem Auftritt nicht wirklich um die Texte ging. Und das obwohl er stimmlich wirklich schwer zu überzeugen wusste. Er war da, um zu jammen. Und so wurde jeder Song auf stattliche 7-8 Minuten Laufzeit gestreckt, während denen Seagal und seine Band wirklich alles gaben. Seagal bearbeitete dabei seine insgesamt drei verschiedenen Gitarren virtuos und ging bei den improvisiert wirkenden Momenten, in denen die Band es einfach laufen ließ, so richtig auf in dem, was er da machte. Und es klang wirklich geil!

Die Bühnenshow selbst war sehr spartanisch, sehr Back to the Bones. Seagal hatte einen Bewegungsradius von gut einem Meter, was aber auch an der wirklich picke packe vollen Bühne lag, die gar nicht mehr Freiraum ließ. Die Lightshow war ebenfalls sehr zurückgenommen und der Sound wirkte an manchen Stellen leider nicht ganz optimal. Als seien die hauseigenen Boxen des „Imperial Clubs“ bei den rockigen Blues-Nummern Seagals ein wenig überfordert gewesen. Doch letzten Endes passte auch dieses Unperfekte perfekt zu dem Auftritt Seagals bzw. zum Blues an sich.

Steven Seagals Gig: Kurz, aber gut!

Steven Seagal Blues

Rockten gut durch: Steven Seagal mit seiner Band.

Nach gut 60 Minuten war leider alles wieder vorbei. Seagal verabschiedete sich nach einer Zugabe (der Titel deutete an, worauf er sich freute: „BBQ“) unter tosendem Applaus und schaffte so spielend die Übertragung von Kolumbien gegen Uruguay. Leider ließ er sich nach seinem Gig nicht noch einmal in dem Club sehen, obwohl sich einige Fans mit Postern und DVDs zum Signieren auf ihn gefreut hatten. Zudem gab es nicht einmal einen Merchandising-Stand, wo man beispielsweise die Alben hätte erwerben können. Aber man kann nun einmal nicht alles haben. Immerhin gab es vorher richtig coole Mucke satt und einige wunderschöne Schmunzelmomente. Denn der Hüne Seagal hatte mit der winzigen Bühne und dem niedrigen Kellerraum seine liebe Mühe. So knockte er irgendwann sein Mikrofon mit einer zu schnellen Bewegung aus und als er gegen Ende seine Gitarre fast in die Kellerdecke gerammt hatte, musste auch er ordentlich über sich selbst feiern. Ein gelungener, leider zu kurzer Abend, ein cooler Gig und Steven Seagal mal ganz anders: Leidenschaftlich, locker, gelöst und direkt nahbar.

Einige größere bildhafte Eindrücke von dem Abend (einfach anklickern!):

In diesem Sinne:
freeman

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Categorised in: Actionfreunde live vor Ort, Der Actionfilm

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