Originaltitel: The Long Goodbye__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1973__Regie: Robert Altman__Darsteller: Elliott Gould, Nina Van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Arkin, Jim Bouton, Warren Berlinger, Jo Ann Brody, Steve Coit, Jack Knight, Arnold Schwarzenegger, David Carradine u.a. |

In Robert Altmans Raymond-Chandler-Adaption „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ hat Arnold Schwarzenegger eine seiner ersten Rollen
In den 1970ern brachten die Raymond-Chandler-Neuverfilmungen „Farewell, My Lovely“ und „The Big Sleep“ Philip Marlowe als klassische Noirkrimis zurück, beide Male mit Robert Mitchum in der Hauptrolle, während sich Robert Altman („The Player“) des bis dato unverfilmten „The Long Goodbye“ auf unkoventionellere Weise annahm.
Obwohl das Drehbuch von Leigh Brackett verfasst wurde, einem der Autoren der stilprägenden Erstverfilmung von „The Big Sleep“ im Jahre 1946, ist der in die zeitgenössischen 1970er verfrachtete Philip Marlowe (Elliot Gould) in „The Long Goodbye“ ein anderer, kein souveräner Tough Guy. Seine Katze tanzt ihm auf der Nase herum, weckt ihn nachts auf und will nur eine bestimmte Sorte Futter fressen, eine WG von Hippiemädels gegenüber beauftragt ihn direkt mit dem Mitbringen einer Backmischung, wenn er zum Kauf des Katzenfutters losfährt und später wird ihn der Hund einer Auftraggeberin dauernd angreifen, als einzigen ihrer Gäste. Alles andere als ein heroisches Alphamännchen ist dieser Marlowe.
Geblieben ist sein gestörtes Verhältnis zur Polizei. Nachdem er seinen Kumpel Terry Lennox (Jim Bouton) zum Flughafen gefahren hat, weil dieser nach einem Ehestreit nach Mexiko verduften will, steht diese nämlich vor Marlowes Tür und bezichtigt ihn dem flüchtigen Terry geholfen zu haben, da dessen Frau jetzt tot ist. Marlowe mag nicht glauben, dass Terry dies getan haben soll, legt sich mit der Polizei an und muss für seine dicke Lippe direkt mal ein paar Tage im Kittchen abbrummen, ehe er erfährt, dass Terry in Tijuana Selbstmord begangen hat.
Während ihn der Gangster Marty Augustine (Mark Rydell) wegen Geldes belästigt, das Terry angeblich für ihn transportiert hat, nimmt Marlowe den nächsten Fall an, die Suche nach dem alkoholkranken Autor Roger Wade (Sterling Hayden), den er zu seiner Frau Eileen (Nina van Pallandt) zurückbringen soll…
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Natürlich haben dieser Fall und der um Terry Lennox in alter Noir-/Hard-Boiled-Sitte etwas miteinander zu tun. Wobei Altman und Brackett den Plot des Romans um einige Elemente verschlanken und den Kriminalfall vereinfachen, gerade was die Anzahl der beteiligten Personen angeht. Wenig komplex ist das Geflecht und vergleichsweise einfach die Lösung, aber das ist Teil des Projekts des Films: Philip Marlowe steht lange auf dem Schlauch, macht selbst bei der Aufklärung dieses (für Hard-Boiled-Verhältnisse) einfachen Falles Fehler und zieht falsche Schlüsse, womit sich „The Long Goodbye“ an die Entmythologisierung des wohl berühmtesten Hard-Boiled-Detektivs begibt, auch wenn diese nicht umfassend.
Denn Marlowe hat auch seine souveränen Momente, etwa wenn er einen Untergebenen Augustines anleitet, wie dieser ihn zu verfolgen habe und den Handlanger dabei mehrfach verarscht. Am Ende wird Marlowe von einem Schuldigen zwar beleidigt und runtergeputzt, aber gleichzeitig bemerkt diese Person auch, dass Marlowe der einzige sei, der die Wahrheit herausfinden konnte. Marlowes Akt der Selbstjustiz am Schluss, konterkariert mit befreiten Tanzschritten, wenn er den Ort der Tat verlässt, fasst das eigenwillige, fast schon gespaltene Projekt des Films zwischen klassischem Kriminalfilm und der Demontage von selbigem visuell zusammen.
Mit Elliot Gould („The Big Hit“) hat Altman einen Glücksgriff in der Hauptrolle getan: Den lakonischen, überforderten, aber zwischendrin doch immer tatkräftigen Privatdetektiv mit all seinen Facetten spielt er einfach hinreißend, einen dauernden Sprücheklopfer, der eine Fluppe nach der anderen anzündet. Daneben fällt vor allem der klassische Tough Guy Sterling Hayden („Asphalt-Dschungel“) in der Rolle des Hemingway-artigen Schriftstellers auf, während Henry Gibson („Slow Burn“) seine patentierte Schurkenvisage als halbseidener Arzt zeigt. Größere Rollen mit weniger Eindruck haben Nina van Pallandt („Ein Mann für gewisse Stunden“), Jim Bouton („Woher weißt du, dass es Liebe ist?“) und Mark Rydell („Havanna“), während in einer frühen, dialogfreien Rolle ein junger Arnold Schwarzenegger („The Last Stand“) mit fieser Popelbremse als Bodyguard Augustines zu sehen ist.
Der Schwarzenegger-Auftritt ist Teil einer bizarren Szene, in der Augustine veranlasst, dass alle seine Untergebenen sich vor Marlowe ausziehen sollen um zu zeigen, dass sie nichts zu verbergen haben; das Vorzeigen seiner Bodybuilderfigur dürfte einer der Hauptgründe für Schwarzeneggers Engagement gewesen sein. Derartige bizarre bis absurde Szenen gibt es zuhauf, etwa wenn Roger bei einer Party ausrastet oder Marlowe bei seiner Untersuchung in der Klinik bald nicht mehr unterscheiden kann, ob denn nun die Patienten oder das Personal die seltsamere der beiden Parteien dort ist. Zur surrealen Atmosphäre trägt auch die Tatsache bei, dass der Titelsong „The Long Goodbye“ überall gespielt wird, egal ob in einer Bar, im Radio oder bei einer Beerdigung, und von sieben verschiedenen Interpreten im Verlauf des Films vorgetragen wird.
Ein klarer Verweis auf das klassische Hollywood und die Dekade, in der Chandler schrieb, ist der Wachmann am Eingang der Gated Community, in der die Wades leben, der gern Filmstars jener Ära nachmacht, darunter auch Film-Noir-Größe Barbara Stanwyck. Ebenso persifliert der Film das Voice-Over diverser Film Noirs, das hier nicht direkt vorkommt, indem er Marlowe ständig Sprüche über den Fall und sein Seelenleben aufsagen lässt, diese aber nie an einen Gesprächspartner gerichtet sind. Das sind alles amüsante Details, sehr witzig und charment auch die Eingangsszene um Marlowe und seine widerspenstige Katze, doch es bleiben eben Details und Einzelszenen, während der Film insgesamt nur begrenzt zu einem Flow findet: Altman verweilt gerne überlang in Szenen, lässt vor allem Roger Wade endlos monologisieren, aber kreiert keinen so recht zusammenhängenden Film daraus, so wie er auch die Parodie auf den Marlowe-Habitus nicht hundertprozentig vollzogen scheint.
Daher erscheint „The Long Goodbye“ einerseits als uneben und uneinheitlich, gleichzeitig besitzt er aber auch seine ganz eigene Faszination. Nichts für Chandler-Puristen, sondern eine interessante Adaption des Ausgangsmaterials, gerade in der Hauptrolle famos gespielt. Es bleiben aber eher memorable Einzelszenen, um die der Film aufgebaut ist, da Altmans Film stellenweise zerfasert und manche Passage etwas redundant erscheint.
Die deutsche DVD von MGM/20th Century Fox ist ungekürzt, freigegeben ab 16 Jahren und bietet als Bonusmaterial den Trailer zum Film.
© Nils Bothmann (McClane)
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