Rogue Warfare – Der Feind
Originaltitel: Rogue Warfare__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Mike Gunther__Darsteller: Will Yun Lee, Stephen Lang, Chris Mulkey, Kayla Adams, Jermaine Love, Roman Mitichyan, Fernando Chien, Essam Ferris, Rory Markham, Bertrand-Xavier Corbi u.a. |
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Teil einer Actiontrilogie: „Rogue Warfare – Der Feind“.
Mit höchster Besorgnis beobachtet der amerikanische Präsident höchstselbst das Erstarken einer neuen Terrorgruppierung im Nahen Osten. „Die Schwarzen Masken“ verbreiten Tod und Leid, wo immer sie auftauchen. Um ihnen mal so richtig in die Suppe zu spucken, startet er die Operation Rogue. Diese bringt die besten Elitesoldaten aus den USA mit Vertretern aus Frankreich, England, China und Russland zusammen.
Und weil sie die Besten der Besten sind, brauchen sie keinerlei gemeinsames Training oder taktische Schulung. Stattdessen werden sie mitten in ihren ersten Einsatz geschmissen. Bei dem verreckt zwar direkt einer der Supersoldaten, aber hey, das ist doch noch lange kein Grund, das ganze Unternehmen zu hinterfragen.
Und das nächste Ziel wartet schon auf unsere Soldatenhelden. Die haben zwar keine Ahnung von irgendwelchen Befehlsketten und müssen andauernd untereinander ihre Schwanzlänge vergleichen, als aber eine schmutzige Bombe auf der Bildfläche erscheint, kneifen sie die Arschbacken zusammen. Jetzt gilt es, dem Anführer der Schwarzen Masken einen Scheitel zu ziehen. Der wehrt sich mit Verbal Warfare und labert sechs Minuten am Stück Grütze. Mehrmals…
Schaut in den Actionfilm hinein
httpv://www.youtube.com/watch?v=AGiVbfxzb5w
Man sagt Actionfilmen ja gerne eine gewisse Grunddummheit nach. „Rogue Warfare: Der Feind“ schlägt dahingehend dem Fass den Boden aus. Beispiele gefällig? Nun, da erklärt ein Soldat, er habe direkten Blickkontakt mit dem Feind – während er in ein leeres Zelt starrt. Erstaunlicherweise haben unsere stolzen Supersoldaten aus aller Herren Länder keinerlei Problem damit, amerikanische Uniformen mit US-Flaggen im Einsatz zu tragen. Als dann einer der Soldaten einem Terrorlump, der ihn als räudigen Amerikaner beleidigte, allen Ernstes erklärt, er sei Franzose, schreit man automatisch vom Sofa: „Dann zieh eine Franzosenuniform an, du Vollpfosten!“
Oder ein anderer hat da so ein Ziehen im linken Hoden. Ein ruhig vor ihm liegendes Zeltlager sei ihm nicht ganz geheuer. All das NACHDEM er mit seinen Kameraden entsandt wurde, ebendieses als VERLASSEN deklariertes Zeltlager zu erkunden und im Zuge dessen 15 Terrorhoschies abknallte, die aus Gründen in dem VERLASSENEN Zeltlager herumstanden. Die Gegenwart der 15 Terrortypen war ihm zuvor vollkommen Rille, aber wenn dann das Zeltlager tatsächlich „verlassen“ / geräumt ist, bekommt er das große Flattern. Nur geil.
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In „Rogue Warfare“ wird nur mit den dicken Wummen geballert.
Apropos Zeltlager: Das hat auf Satellitenbildern die Größe eines halben Fußballfeldes. Aber im Verlaufe einer ewig langen Actionszene scheint es auf circa 20 Fußballfelder anzuwachsen. Irre, wie weitläufig so ein verlassenes Zeltlager sein kann. Vor allem, wenn der Hintergrund immer total vertraut wirkt und man eben schnell merkt: Moment mal, die sind ja immer noch an genau dem Ort, wo die Actionszene gerade los ging. Nach zehn Minuten Gerenne und Gekille.
Absolutes Highlight ist aber ganz sicher das Gewese um die schmutzige Bombe. Hat man diese nämlich endlich aufgetrieben, lässt man sie halt einfach entschärft an Ort und Stelle liegen. Man nimmt nicht einmal das enthaltene Sarin mit. Soll sich doch der nächste Terrorhoschie drum kümmern oder was? Doch so dumm jene in „Rogue Warfare: Der Feind“ sind, würden die sich das Sarin sicherlich in den Drink schütten oder es als Duschbad nutzen. Was alleine der Anführer der Schwarzen Masken für einen Schwachsinn labert, geht auf keine Kuhhaut.
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Will Yun Lee („Wolverine: Weg des Kriegers“) wird von den fiesen Fieswichten geschnappt.
Ohne Punkt und Komma schwadroniert der jedes Mal minutenlang vor sich hin und widerlegt witzigerweise meist im letzten Satz all das, was er kurz vorher dreimal als ultimative Wahrheit postuliert hat. Eine echte Flachzange. Da verwundert die Standleitung einer lachhaften Wüstenoperation in die Privatgemächer des US-Präsidenten auch keinen mehr.
Kurzum: „Rogue Warfare: Der Feind“ wäre so gerne straighte Wüstenaction, kann aber nicht für eine Sekunde ernstgenommen werden. Der Film und seine Figuren sowie deren Handeln und ihr mit vollem Ernst ausformulierter Verbal-Dünnpfiff sind die pure Rotze. Das kann nicht einmal das Bekenntnis der Macher zu Handmade-Action irgendwie ausgleichen. Klar nimmt man anerkennend zur Kenntnis, dass in der Action unentwegt Bloodpacks platzen und bei Headshots die Suppe gegen alle denkbaren Wände spritzt, aber selbst in der eigentlich ordentlichen Balleraction passiert so viel Dummes, dass man regelrecht wütend auf den Film wird.
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Und da hat es Bumm! gemacht.
Da hat der Sniper beste Sicht auf seine Opfer und wechselt lieber die Position. Oder eine Person, die man eigentlich verhören will, ergibt sich und wird trotzdem von den Helden umgenietet. Ich könnte seitenweise mit derartig behämmerten Situationen fortfahren und wäre nicht annähernd am Ende angelangt.
Dazu passt, dass versierte Schauspieler wie Chris Mulkey („Rambo“) oder Stephen Lang („Braven“) von Anfang an jedes Spiel einstellen. Dass die Optik nach anfänglich irre starken Drohnen-Kamerabildern von zerstörten Städten im Nahen Osten komplett in Richtung billiger Digitalmatsch kippt. Und dass ein zu Beginn gespieltes, sehr wertiges und wehmütiges Musikthema erst im Abspann wieder zu hören ist und vorher billigstem Gediller Raum machen muss.
„Rogue Warfare: Der Feind“ wäre gerne großes Actionkino
Doch das Beste kommt erst noch: „Rogue Warfare: Der Feind“ ist nur der Beginn einer als Trilogie angelegten Filmreihe! Kein Scheiß: „Rogue Warfare“ geht in Serie. Und die Teile zwei und drei sind bereits abgedreht. Es besteht also keine Hoffnung, dass sie nicht mehr kommen. Dementsprechend endet „Rogue Warfare: Der Feind“ auch total offen. Ohne, dass man auch nur ansatzweise das Gefühl hat, wissen zu wollen, wie dieses Epos wohl ausgehen wird.
Stattdessen graust es einem: Immerhin geht es immer noch dümmer. Vielleicht quatscht der Terrorhoschie-Chef in Teil zwei dann zwölf Minuten am Stück? Und in Teil drei 18? Vielleicht erschießen sich die Supersoldaten dann auch noch aus Versehen gegenseitig? Oder vielleicht werden sie von der achtlos liegengelassenen schmutzigen Bombe aus Teil eins getötet? Hach, wie spannend, nicht.
Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien von Sunfilm / Tiberius Film. Die haben den Film mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten durch die FSK gebracht, eine üble Synchronisation angefertigt (die manchen Dummfug sogar noch steigert) und freuen sich schon darauf, die Teile zwei und drei in den nächsten Monaten zu bringen. Die haben wir natürlich freudestrahlend für euch besprochen.
Rogue Warfare 2 | Rogue Warfare 3 |
Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja |